Flying Monkeys: Wenn andere seine Arbeit erledigen
Plötzlich ruft Ihre Schwiegermutter an und fragt, ob alles in Ordnung sei – mit einem Unterton, der verrät, dass sie „seine Version“ gehört hat. Eine gemeinsame Freundin schreibt, Sie sollten ihm doch noch eine Chance geben. Sein Kollege taucht zufällig dort auf, wo Sie sind. Diese Menschen handeln nicht aus eigenem Antrieb. Sie wurden rekrutiert.
Was Flying Monkeys sind
Der Begriff stammt aus dem Film „Der Zauberer von Oz“, in dem die böse Hexe fliegende Affen aussendet, um ihre Ziele zu erreichen. In der Psychologie beschreibt er Menschen, die – bewusst oder unbewusst – als Werkzeuge eines Täters agieren.
Flying Monkeys können sein:
- Familienmitglieder
- Gemeinsame Freunde
- Kollegen
- Nachbarn
- Neue Partner des Täters
- Manchmal sogar Therapeuten, Anwälte oder Behörden
Sie alle haben eines gemeinsam: Sie handeln im Interesse des Täters – oft ohne es zu wissen.
Wie Flying Monkeys rekrutiert werden
Der Täter präsentiert sich als Opfer. Er erzählt eine sorgfältig konstruierte Geschichte, in der er der Leidtragende ist und Sie die Schuldige. Diese Geschichte enthält oft:
- Halbwahrheiten, die sich schwer widerlegen lassen
- Übertreibungen Ihrer Fehler
- Komplettes Verschweigen seines eigenen Verhaltens
- Andeutungen über Ihre psychische Gesundheit
- Appelle an Mitleid und Hilfsbereitschaft
Die potenziellen Flying Monkeys werden ausgewählt nach ihrer Leichtgläubigkeit, ihrer Nähe zu Ihnen, ihrem Wunsch zu helfen, und manchmal nach ihrer eigenen Anfälligkeit für Manipulation.
Besonders gefährlich: Der Täter testet potenzielle Flying Monkeys oft schon während der Beziehung. Er beobachtet, wer ihm glaubt, wer loyal zu ihm steht, wer sich leicht beeinflussen lässt. Wenn die Beziehung endet, hat er sein Netzwerk bereits aufgebaut.
Was Flying Monkeys tun
Die Aufgaben variieren, aber typische Verhaltensweisen sind:
Überwachen: Sie beobachten Ihre sozialen Medien, Ihren Aufenthaltsort, Ihre neuen Kontakte – und berichten zurück.
Nachrichten übermitteln: „Er vermisst dich.“ „Er hat sich wirklich geändert.“ „Du solltest ihm noch eine Chance geben.“
Druck ausüben: „Denk doch an die Kinder.“ „Eine Familie gehört zusammen.“ „Du übertreibst maßlos.“
Gaslighting verstärken: „So schlimm kann es doch nicht gewesen sein.“ „Ich kenne ihn anders.“ „Er hat doch nur das Beste gewollt.“
Informationen sammeln: Scheinbar harmlose Fragen – „Wie geht’s dir so?“ – die in Wahrheit Ausforschung sind.
Rufschädigung: Sie verbreiten seine Version der Geschichte weiter – bis Sie sich fragen, ob noch irgendjemand Ihre Seite kennt.
Die zwei Arten von Flying Monkeys
Es gibt einen wichtigen Unterschied:
Unwissende Flying Monkeys glauben aufrichtig, dass sie helfen. Sie wurden manipuliert und kennen nur eine Seite der Geschichte. Oft sind es gutmütige Menschen, deren Hilfsbereitschaft ausgenutzt wird.
Wissende Flying Monkeys wissen genau, was sie tun. Manche sind selbst narzisstisch veranlagt. Manche profitieren von der Situation. Manche genießen das Drama.
Der Unterschied ist wichtig für Ihre Reaktion – aber beide verursachen Schaden.
Die Funktion innerhalb von Coercive Control
Flying Monkeys erweitern die Reichweite der Kontrolle über die direkte Beziehung hinaus.
Überwachung trotz Kontaktabbruch: Sie haben ihn blockiert, aber seine Schwester nicht. Jetzt weiß er trotzdem, was in Ihrem Leben passiert.
Fortgesetzte Belästigung: Sie haben No Contact etabliert – aber plötzlich stehen seine Freunde vor Ihrer Tür.
Isolation: Wenn genug Menschen seine Version glauben, stehen Sie alleine da. Ihr Unterstützungsnetzwerk wird systematisch untergraben.
Gaslighting auf breiter Front: Wenn mehrere Menschen sagen „So schlimm war es doch nicht“, beginnen Sie vielleicht selbst daran zu zweifeln.
Nachtrennungsgewalt: Studien zeigen, dass 90 Prozent der Opfer von Coercive Control auch nach der Trennung weiter belästigt werden. Flying Monkeys sind dabei ein zentrales Werkzeug.
Was Sie tun können
Informationen begrenzen: Teilen Sie mit potenziellen Flying Monkeys nichts, was Sie nicht auf einer Plakatwand sehen wollen. Alles, was Sie sagen, kann und wird zum Täter gelangen.
Gray Rock Methode: Werden Sie langweilig. Geben Sie kurze, emotionslose Antworten. Bieten Sie keinen Stoff für Berichte. Je weniger interessant Sie sind, desto weniger gibt es zu berichten.
Nicht rechtfertigen: Sie müssen Flying Monkeys nicht überzeugen. Das funktioniert selten – und kostet Sie Energie, die Sie nicht haben. „Ich möchte nicht darüber sprechen“ ist eine vollständige Antwort.
Kontakt reduzieren oder beenden: Bei wissenden Flying Monkeys ist Kontaktabbruch oft die einzige Option. Bei unwissenden kann ein klares Gespräch manchmal helfen – aber rechnen Sie nicht damit.
Dokumentieren: Halten Sie fest, wer wann was gesagt oder getan hat. Bei Stalking oder Belästigung kann das rechtlich relevant werden.
Ihr Netzwerk pflegen: Konzentrieren Sie sich auf Menschen, die Ihnen glauben. Die, die es nicht tun, sind im Moment keine Hilfe – egal wie nahe sie Ihnen standen.
Der Schmerz des Verrats
Eine der schmerzhaftesten Erfahrungen ist, wenn Menschen, denen Sie vertraut haben, zu Flying Monkeys werden. Freundinnen, die Sie seit Jahren kennen. Familie, die auf seiner Seite steht. Menschen, von denen Sie dachten, sie würden Sie verstehen.
Dieser Verrat ist real. Er ist ein weiterer Verlust, der zur Trennung dazukommt. Und er ist nicht Ihre Schuld.
Flying Monkeys sagen mehr über die Manipulationsfähigkeit des Täters aus als über Ihre Glaubwürdigkeit. Er ist trainiert darin, Menschen zu überzeugen. Sie mussten das nie lernen – weil Sie nicht manipulieren.
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